Klarna- und PayPal-Schulden: Was tun, wenn ich meine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann?

Herausgeber und fachlich verantwortlich: LKM GmbH Rechtsanwälte & Steuerberater

Rechnungen und Taschenrechner auf einem Tisch, im Hintergrund eine Frau am Fenster

Heute kaufen, später bezahlen. Was zunächst bequem erscheint, kann schnell zu finanziellen Problemen führen. Viele Menschen nutzen Klarna, PayPal oder andere Anbieter, um Einkäufe erst nach mehreren Wochen oder in monatlichen Raten zu bezahlen. Doch was passiert, wenn sich die Rechnungen ansammeln und das Geld für die Rückzahlung fehlt?

Wir erklären, welche Folgen unbezahlte Klarna- und PayPal-Rechnungen haben können, was Betroffene bei Mahnungen oder Inkassoforderungen tun sollten und wann eine Privatinsolvenz ein möglicher Ausweg ist.

Die Zahl neuer Kleinkreditverträge steigt

Ein neues Smartphone, Kleidung oder Möbel: In vielen Onlineshops lässt sich der Einkauf mit wenigen Klicks abschließen, ohne den Kaufpreis sofort bezahlen zu müssen.

Anbieter wie Klarna und PayPal ermöglichen es, Rechnungen später oder in mehreren Raten zu begleichen. Gerade bei kleineren Beträgen erscheint diese Zahlungsmöglichkeit zunächst unkompliziert.

Wie sich das Segment kleiner Ratenkredite entwickelt, zeigen aktuelle Zahlen der SCHUFA.

Nach dem SCHUFA Risiko- und Kreditkompass 2026 wurden im SCHUFA-Datenbestand für 2025 rund 7,5 Millionen neue Kleinkreditverträge unter 1.000 Euro registriert. Das waren 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Die SCHUFA veröffentlichte die Untersuchung im Oktober 2026 (Pressemitteilung vom 8. Oktober 2026).

Das Problem: Wer mehrere Einkäufe auf Rechnung oder in Raten bezahlt, verliert möglicherweise den Überblick über seine finanziellen Verpflichtungen.

Aus einer einzelnen Rechnung über 100 Euro werden schnell mehrere offene Forderungen. Kommen weitere Ausgaben für Miete, Strom, Lebensmittel oder bestehende Kredite hinzu, kann das monatliche Einkommen irgendwann nicht mehr ausreichen.

Was passiert, wenn ich meine Klarna- oder PayPal-Rechnung nicht bezahle?

Können Sie eine offene Rechnung nicht rechtzeitig bezahlen, sollten Sie das Problem nicht ignorieren.

Je nach Vertrag und Zahlungsart können unterschiedliche Folgen eintreten.

1. Mahnungen und zusätzliche Kosten

Wird eine fällige Rechnung nicht bezahlt, können Sie in Zahlungsverzug geraten. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen dürfen dann Verzugszinsen und weitere Kosten verlangt werden.

2. Einschaltung eines Inkassounternehmens

Bleibt die Forderung offen, kann sie an ein Inkassounternehmen übergeben werden. Dieses fordert Sie zur Zahlung auf und macht möglicherweise zusätzliche Inkassokosten geltend.

3. Negative Einträge bei der SCHUFA

Unbezahlte Forderungen können unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen an die SCHUFA oder andere Auskunfteien gemeldet werden.

Ein negativer Eintrag kann beispielsweise die Wohnungssuche oder den Abschluss eines neuen Kreditvertrags erschweren.

4. Gerichtliches Mahnverfahren und Zwangsvollstreckung

Wird die Forderung weiterhin nicht bezahlt, kann der Gläubiger ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten.

Ein Vollstreckungstitel kann schließlich die Grundlage für eine Konto- oder Lohnpfändung bilden.

Wichtig: Ein gerichtlicher Mahnbescheid fordert Sie auf, innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung zu zahlen oder dem Anspruch zu widersprechen. Halten Sie die Forderung für unberechtigt, sollten Sie sie unverzüglich prüfen lassen und rechtzeitig reagieren. Ohne rechtzeitigen Widerspruch kann ein Vollstreckungsbescheid ergehen.

Ich habe mehrere tausend Euro Klarna- und PayPal-Schulden – was kann ich tun?

Wenn sich bereits viele offene Rechnungen angesammelt haben, ist es wichtig, sich zunächst einen vollständigen Überblick zu verschaffen.

Dabei können folgende Schritte helfen:

  1. Alle offenen Forderungen zusammentragen. Prüfen Sie Ihre Klarna- und PayPal-Konten sowie Mahnungen, Inkassoschreiben und weitere Rechnungen.
  2. Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen. Ermitteln Sie, wie viel Geld Ihnen nach Miete, Lebensmitteln und anderen notwendigen Ausgaben tatsächlich zur Verfügung steht.
  3. Neue Schulden vermeiden. Versuchen Sie, keine weiteren Einkäufe über Ratenzahlungen oder spätere Zahlungsziele zu finanzieren.
  4. Forderungen überprüfen lassen. Nicht jede geltend gemachte Forderung oder zusätzliche Gebühr muss rechtlich berechtigt sein.
  5. Rechtzeitig Unterstützung suchen. Wenn Sie Ihre Schulden nicht mehr aus eigener Kraft zurückzahlen können, sollten Sie Ihre rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen.

Nicht immer ist dafür sofort eine Privatinsolvenz erforderlich.

Kann ich mit Klarna- oder PayPal-Schulden Privatinsolvenz anmelden?

Ja. Grundsätzlich können auch Schulden bei Klarna, PayPal und anderen Zahlungsdienstleistern im Rahmen einer Privatinsolvenz berücksichtigt werden.

Es spielt dabei grundsätzlich keine Rolle, ob die Schulden aus einem klassischen Bankkredit, einem Ratenkauf oder offenen Rechnungen aus dem Onlinehandel entstanden sind.

Entscheidend ist unter anderem, ob die betreffenden Forderungen bereits vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens rechtlich begründet waren.

Wird am Ende des Verfahrens die sogenannte Restschuldbefreiung erteilt, werden die Betroffenen grundsätzlich auch von solchen offenen Schulden befreit.

Dabei ist zu beachten, dass bestimmte Forderungen gesetzlich von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind. Außerdem werden Schulden, die erst nach der Insolvenzeröffnung neu entstehen, grundsätzlich nicht von der späteren Restschuldbefreiung erfasst.

Ab welcher Höhe kann ich wegen Klarna-Schulden Privatinsolvenz anmelden?

Für die Verbraucherinsolvenz gibt es keine gesetzliche Mindesthöhe der Schulden.

Sie müssen also nicht erst 10.000 oder 20.000 Euro Schulden haben, um ein Insolvenzverfahren beantragen zu können.

Ob eine Privatinsolvenz tatsächlich sinnvoll ist, hängt jedoch von Ihrer gesamten finanziellen Situation ab.

Dabei kommt es insbesondere darauf an, wie hoch Ihre Schulden sind, wie viele Gläubiger Geld verlangen und ob Sie Ihre Verbindlichkeiten in absehbarer Zeit noch zurückzahlen können.

Schuldenvergleich statt Privatinsolvenz: Gibt es eine andere Lösung?

Nicht jeder Mensch mit Zahlungsschwierigkeiten muss zwangsläufig eine Privatinsolvenz durchlaufen.

Unter Umständen kann eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern sinnvoll sein.

Dabei wird beispielsweise versucht, mit Klarna, PayPal oder anderen Gläubigern eine tragbare Rückzahlungsvereinbarung auszuhandeln.

Je nach Ausgangslage können auch längere Zahlungsfristen, Ratenzahlungen oder eine Einigung über einen reduzierten Gesamtbetrag infrage kommen. Ein Anspruch darauf, dass Gläubiger solche Angebote akzeptieren, besteht allerdings grundsätzlich nicht.

Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, ob eine außergerichtliche Schuldenbereinigung Aussicht auf Erfolg hat oder ob die Privatinsolvenz der bessere Weg sein kann.

Wie lange dauert eine Privatinsolvenz bei Klarna- und PayPal-Schulden?

Die Abtretungsfrist bis zur möglichen Restschuldbefreiung beträgt im Regelfall drei Jahre ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Über die Erteilung entscheidet das Gericht. In bestimmten Wiederholungsfällen gelten längere Fristen.

Diese Dauer hängt nicht davon ab, ob die Schulden bei Klarna, PayPal, einer Bank oder anderen Gläubigern bestehen.

Vor der eigentlichen Insolvenzeröffnung sind allerdings weitere Schritte notwendig. Dazu gehört insbesondere der gesetzlich vorgeschriebene Versuch einer außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern.

Deshalb kann es sinnvoll sein, frühzeitig anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, statt erst auf weitere Mahnungen oder Pfändungen zu warten.

Neue Regeln für Klarna, PayPal und Ratenkäufe ab November 2026

Der Gesetzgeber reagiert auf die zunehmende Bedeutung von kurzfristigen Finanzierungen und Ratenkäufen.

Ab dem 20. November 2026 gelten in Deutschland neue Verbraucherkreditregeln.

Grundlage ist das bereits im Mai 2026 verkündete deutsche Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Die hier beschriebenen Änderungen treten am 20. November 2026 in Kraft.

Damit werden künftig auch viele bisher nicht oder weniger streng regulierte Finanzierungsformen erfasst. Dazu gehören insbesondere bestimmte Kleinkredite, zinsfreie Finanzierungen und sogenannte „Buy now, pay later“-Angebote.

Unter anderem werden die gesetzlichen Anforderungen an Informationen vor Vertragsabschluss und die Prüfung der Kreditwürdigkeit erweitert.

Verbraucher sollen dadurch besser erkennen können, welche finanziellen Verpflichtungen sie eingehen und welche Risiken mit einer Finanzierung verbunden sind.

Nicht jeder gewöhnliche Kauf auf Rechnung fällt allerdings automatisch unter sämtliche neuen Kreditvorschriften.

Wichtig: Die neuen Regeln bedeuten nicht, dass bestehende Klarna- oder PayPal-Schulden automatisch erlassen werden. Bereits bestehende Zahlungsverpflichtungen müssen weiterhin beachtet werden.

Wann sollte ich wegen meiner Schulden einen Anwalt kontaktieren?

Eine anwaltliche Beratung kann besonders sinnvoll sein, wenn Sie bereits mehrere offene Forderungen haben, regelmäßig Mahnungen erhalten oder Ihre monatlichen Raten nicht mehr bezahlen können.

Auch wenn ein Inkassounternehmen eingeschaltet wurde, eine Kontopfändung droht oder Sie nicht wissen, wie Sie Ihre Schulden jemals zurückzahlen sollen, kann eine rechtliche Einschätzung helfen.

Wir unterstützen Sie dabei, Ihre finanzielle Situation zu ordnen und einen geeigneten Lösungsweg zu finden.

Dazu gehört insbesondere:

  • Die Prüfung bestehender Forderungen und Inkassokosten
  • Die Erfassung Ihrer Schulden und Gläubiger
  • Die Prüfung einer außergerichtlichen Schuldenbereinigung
  • Die Verhandlung mit Gläubigern
  • Die rechtliche Vorbereitung und Begleitung einer Verbraucherinsolvenz

Fazit: Klarna- und PayPal-Schulden müssen nicht dauerhaft zur Belastung werden

Offene Rechnungen aus Onlinekäufen können sich schnell zu erheblichen Schulden summieren. Besonders schwierig wird es, wenn mehrere Ratenzahlungen gleichzeitig laufen und das Einkommen für die Rückzahlung nicht mehr ausreicht.

Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln und die Situation nicht durch immer neue Kredite zu verschärfen.

Ob eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern möglich ist oder eine Privatinsolvenz infrage kommt, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Schulden bei Klarna oder PayPal? Wir helfen Ihnen weiter.

Sie haben den Überblick über Ihre offenen Rechnungen verloren oder können Ihre Schulden nicht mehr bezahlen?

Wir prüfen Ihre finanzielle Situation und zeigen Ihnen, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um Ihre Schulden zu regeln.

Unsere Kanzlei bietet flexible Beratungstermine und kurzfristige Unterstützung.

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Thomas Lauterfeld, Rechtsanwalt und Geschäftsführer

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